"Coils", Foto: Charité

Emphysembehandlung mittels Lungenvolumenreduktion

Der Arbeitsbereich Ambulante Pneumologie hat seit 2007 als einer der ersten in Deutschland Verfahren zur endoskopischen Lungenvolumenreduktion angewendet und wissenschaftlich geprüft.

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Welche Verfahren zur Emphysembehandlung gibt es?

Für die Emphysembehandlung stehen prinzipiell drei verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung:

  1. Bronchoskopische Lungenvolumenreduktion
  2. Thoraxchirurgie
  3. Konservative Maßnahmen

Welches Verfahren am sichersten und effektivsten für den einzelnen Patienten ist, wird anhand der Befunde in einer Expertenrunde (Emphysemboard) abgewägt.

Der Arbeitsbereich Ambulante Pneumologie ist Mitglied des Emphysemzentrums Berlin Brandenburg und beteiligt sich an der weiteren Erforschung und Entwicklung bronchoskopischer Verfahren zur Lungenvolumenreduktion.

Was ist ein Lungenemphysem?

Bei dieser Krankheit verändert sich die Gewebestruktur der Lungen. Die feinen, nur Mikrometer großen Bläschen des Lungengewebes fließen zu größeren Blasen zusammen, die mehrere Zentimeter messen können. Die geringere Gewebedichte der Lungen und Blasen ab etwa 5 mm Größe sind im Computertomogramm sichtbar und werden als Emphysem bezeichnet.

Der emphysematöse Umbau des Lungengewebes hat zwei entscheidende Nachteile für die Atemfunktion:

  1. Die stark vergrößerte Struktur des Lungengewebes bietet viel weniger Aufnahmefläche für Sauerstoff. Damit gelangt pro Atemzug weniger Sauerstoff in das Blut. Bei schwerem Emphysem befindet sich der Patient in ständigem Sauerstoffmangel und muss zusätzlichen Sauerstoff aus einem Gerät atmen.
  2. Die großen Lungenblasen schließen zunehmend Luft im Brustkorb ein, die nicht mehr ausgeatmet werden kann. Die verbleibende Restluft am Ende der Ausatmung verhindert tiefe Atemzüge. Bei körperlicher Anstrengung sammelt sich mit jedem Atemzug mehr Luft im Brustkorb. Das Zwerchfell wird nach unten gedrückt, bis der Patient kaum noch einatmen kann. Die wachsende Atemnot zwingt ihn, die körperliche Betätigung abzubrechen.

Typische Symptome des Emphysems sind: Kurzatmigkeit bis hin zur Atemnot bei körperlicher Belastung oder nach längerem Reden, Druckgefühl im Brustkorb, bei fortgeschrittener Krankheit blaue Lippen und Fingerspitzen.

Behandlungsmöglichkeit 1 - Bronchoskopische Lungenvolumenreduktion

Derzeit stehen Ihnen drei Verfahren der bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion zur Verfügung:

  • Ventil-Implantation
  • Vaporisation (Dampfbehandlung)
  • Coil-Implantation

Die Grundidee all dieser Verfahren ist, die in den Emphysemblasen gefangene Luft abzuleiten und damit dem Patienten wieder tiefere Atemzüge zu ermöglichen. Im günstigsten Fall steigt die Lungenfunktion (FEV1) um bis zu 20%. Damit verbessert sich die Leistungsfähigkeit nachhaltig.
Nicht jedem Patienten kann damit geholfen werden.

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Ventil-Implantation

Der Lungenlappen, der am stärksten zerstört ist und den geringsten Beitrag zur Atmung leistet, wird zusammengefaltet. Dazu werden mittels Bronchoskop Ventile in den zuführenden Bronchien platziert. Diese gestatten nur noch während der Ausatmung einen Luftstrom. Innerhalb weniger Stunden wird der behandelte Lappen vollständig entlüftet und faltet sich zusammen. Dadurch entsteht im Brustkorb mehr Platz für die Belüftung der gesünderen Lungenanteile.
Die Ventile können bei fehlender Wirkung oder Komplikationen mit dem Bronchoskop wieder entfernt werden.

Das Verfahren ist wegen häufig vorkommender Gewebebrücken zwischen den Lungenlappen nur für wenige Patienten geeignet. Über die Gewebebrücken strömt Luft in den behandelten Lungenlappen nach (Kollateralventilation) und verhindert dadurch die gewünschte Entlüftung dieses Lungenabschnittes.

Risiken:

  1. Pneumothorax (Lungenkollaps), der bei ca. einem Viertel der behandelten Patienten eine Notfallbehandlung erfordert.
  2. Lungenentzündungen

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Vaporisation (Dampfbehandlung)

Sollten die am stärksten zerstörten Lungenanteile in den Oberlappen liegen, können sie mittels bronchoskopischer Dampfbehandlung geschrumpft werden. Dabei spielen Gewebebrücken (Kollateralventilation) keine Rolle. Es muss nicht der gesamte Lungenlappen, sondern nur der am stärksten betroffene Abschnitt des Lungenlappens (ca. ein Drittel), behandelt werden. Die Dampfeinleitung erfolgt bronchoskopisch über einen Ballonkatheter und dauert weniger als 10 Sekunden. Die Verbrühung ist nicht schmerzhaft, führt aber zunächst zu einer Entzündung des behandelten Gebietes, die nach etwa einer Woche abklingt und den beabsichtigten Schrumpfungsprozess des Gewebes einleitet. Nach etwa 4 Wochen bemerkt der Patient den positiven Effekt, nach 3 Monaten ist der Heilungsprozess abgeschlossen.

Risiken: Lungenentzündung, Exazerbation (akute Verschlechterung) der COPD

Diese Behandlungsmethode wird zur Zeit auch im Forschungsprojekt "Thermische Dampfablation" im Arbeitsbereich Ambulante Pneumologie erforscht.

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Coil-Implantation

Coils sind Spiraldrähte mit kugeligen Enden, die fächerförmig in den betroffenen Lungenabschnitt eingesetzt werden und ihm, wie Federn, wieder Elastizität verleihen. Es wird kein Lungengewebe zerstört, sondern nur überschüssige Luft herausgedrückt und die Bronchien erweitert. Dieses Verfahren ist auch anwendbar, wenn das Emphysem gleichmäßig alle Lungenlappen betrifft.
Die Implantation ist technisch anspruchsvoll und dauert zwischen 30 und 50 Minuten. Deshalb wird der Eingriff in Vollnarkose durchgeführt. Die Coils können nicht wieder entfernt werden.


Risiken: Blutungen, Infektionen, Exazerbation der COPD, Pneumothorax

Diese Behandlungsmethode wird zur Zeit auch im Forschungsprojekt "Coil-Implantation" im Arbeitsbereich Ambulante Pneumologie erforscht.

Behandlungsmöglichkeit 2 - Thoraxchirurgie

Sollten sich besonders große Emphysemblasen gebildet haben, sind endoskopische Verfahren nicht sinnvoll. Hier kann eventuell ein erfahrener Thoraxchirurg mittels operativer Entfernung der Emphysemblasen helfen.
Im Endstadium der Krankheit kann bei jüngeren Patienten ohne Begleiterkrankungen eine Lungentransplantation erfolgen.

Behandlungsmöglichkeit 3 - Konservative Maßnahmen

Gegen den Schwund des Lungengewebes gibt es bisher keine Medizin. Wichtig ist die Vermeidung des weiteren Verlustes durch:

  • Rauchstopp
  • medikamentöse Behandlung der begleitenden chronischen Bronchitis
  • schadstoffarme Umgebungsluft
  • ausgewogene Ernährung
  • Vermeidung von Infekten
  • regelmäßige Bewegung und körperliches Training
  • Ersatz von Alpha1-Antitrypsin bei angeborenem Mangel